Adventskalender 2. Dezember: Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt

Am ersten Adventssonntag gab es in unserer Familie einen Brauch. Ganz früh am Morgen gingen meine Eltern und ich in unserer liebstes Zimmer. Der Ofen war noch aus, es war immer lausig kalt und fast ganz dunkel; nur ab und an drangen von draußen Lichter in unsere bescheidene Stube. Reiche Menschen waren wir nicht. Auf dem Tisch stand nichts außer einer weißen Kerze, die darauf wartete zu brennen. Auch ich war voller Erwartung und hielt die Hand meines Vaters ganz fest. Meine Mutter entzündete ein Streichholz, ein heller Schein blitzte in der Dunkelheit auf und unsere Kerze brannte. Ein einfaches, schlichtes Ritual, aber für mich als Kind war das immer wieder ein geradezu magischer Moment: Die kleine Kerzenflamme machte unsere Stube hell, ein ganz mildes Licht lang auf allem, und wenn man nah genug an die Kerze heranging, konnte man eine Wärme spüren, die tief unter die Haut fuhr und das Herz zum Brennen brachte.

(EG 16,1/GL 220 – Jochen Klepper)
Martina Janßen

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