Adventskalender zum 4. Dezember: Mein Herze soll dir grünen

Für mich ist es immer ein kleines Wunder – das Gras an einem frostigen, klaren Wintermorgen. Zuerst liegt es da, ganz starr, wie erfroren, sein sattes Grün ist unter der dünnen Schicht aus Raureif ergraut, gedämpft, gezähmt. Mit dem ersten milden Sonnenlicht aber beginnt jeder Halm sich zu heben, tauumperlt und voller Glanz. Der Eispanzer, der das Gras gerade noch niederdrückte und ihm sein Leuchten raubte, verwandelt sich in kostbare Perlen, die zwischen den auferstehenden Halmen tanzen. Dann kommt die Sonne: Die Halme ergrünen zu voller Kraft und strecken sich nach oben, so als wollten sie dem Licht entgegen wachsen. „Mein Herze soll dir grünen.“ So soll es sein, wenn er kommt. All das, was mich niederdrückt, was mich gefangen hält und mein Herz kalt und hart macht, soll hinwegschmelzen. Ich möchte aufrecht stehen, glanzumperlt in Farbe und Licht, mit stetem Lob und Preis. So möchte ich ihn empfangen, so möchte ich ihm begegnen, o aller Welt Verlangen, o aller Seelen Zier.

(EG 11,2 – Paul Gerhardt)
Martina Janßen

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