Grabplatte für den Franziskanerbruder Konrad

Konrad war einer der ersten Mönche, die nach Hildesheim kamen, als hier im Jahr 1223 das Franziskanerkloster St. Martini gegründet wurde. Er setzte sich für Bedürftige und Kranke ein und führte ein heiligmäßiges Leben. Mit seinem Wirken verbinden sich überdies etliche Wundererzählungen, weshalb er Hildesheim als Heiliger verehrt wurde.

Konrad starb im Jahr 1261 und wurde in St. Martini begraben. Der erhaltene, als Hochrelief gestaltete Grabstein ist nicht der ursprüngliche, sondern dürfte aufgrund seiner Stilistik im 15. Jahrhundert entstanden sein. Er zeigt Konrad als betenden Mönch unter einem mit Kriechblumen besetzten Kielbogen (vgl. das nebenstehende Relief der Maria lactans, das ebenfalls aus St. Martini stammt). Dass man im Spätmittelalter eine neue, figürliche Grabplatte anfertigte, ist wohl selbst als Zeugnis der Heiligenverehrung zu deuten.

Durch die Vita „Das Leben deß Gottsähligen Bruders Conradi, den Mann genennet hat Patrem Sanctum“ des Franziskaners Johannes Gülicher von 1633 wird man über das Schicksal der Grabplatte informiert (s. Fleige 1983). Im Zuge der Reformation zerstörten Bilderstürmer 1544 das Grab und beschädigten die Grabplatte stark: das Gesicht und die Inschrift am Rand wurden abgeschlagen und der Stein mit der Bildseite nach unten neu verlegt. 1633 kehrten die Franziskaner im Zuge des 30jährigen Krieges kurzzeitig nach Hildesheim zurück und deckten den Grabstein wieder auf. In diesem Zusammenhang erschien die Schrift Gülichers. Als Inschriften sind überliefert:

„Anno Domini MCCLXI pridie nonas octobris [...] Miraculosus in vita et post mortem“

„Conradus Sanctus“

In der Übersetzung von Christine Wulf:

„Im Jahr des Herrn 1261 am Tag vor den Nonen des Oktober [...]. Er war wundertätig im Leben und nach seinem Tod.“

„Der heilige Konrad“.

Mit der Profanierung von St. Martini gelangte der Grabstein in das Andreas-Museum und befindet sich seither in St. Andreas. Die Platte ist, wie ein Vergleich mit historischen Fotografien zeigt (s. Kozok 2008, S. 33), stark restauriert. Vor allem die seitlichen Ränder, die einst die Inschriften trugen, wurden nahezu komplett ergänzt.

Anushee Kurhe und Christian Scholl

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