Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Kind

Die Heiligen Drei Könige gelten nach den Hirten als die zweite Gruppe, die, durch den Stern von Bethlehem geleitet, beim Jesuskind in der Krippe ankommt. Ihre legendarischen Namen Caspar, Melchior und Balthasar stehen für die drei damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa. Die Namen sind erst seit dem 9. Jahrhundert bezeugt (Weis 1968, Sp. 541). Nach dem Bericht des Matthäus-Evangeliums bringen sie Jesus drei Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt. 2,11).

Die Skulpturen in St. Andreas sind gemäß der ikonographischen Tradition nach Lebensaltern differenziert: Balthasar als Jüngling, Caspar als Mann mittleren Alters und Melchior als Greis. Sie tragen die Attribute Myrrhengefäß (in Form einer Monstranz), Goldkästchen und Weihrauchschiffchen. Zu ihren Füßen befinden sich kleine Wappen. 

An der ab 1503 errichteten westlichen Turmfassade von St. Andreas waren die Skulpturen gut sichtbar im unteren Bereich aufgestellt. Ihre Anbringung erfolgte jeweils vor einer der Lisenen, welche den Turm in drei Wandfelder unterteilen. Vor der nördlichsten Lisene befand sich die Bezugsfigur der Könige: Maria mit dem Jesuskind. Auf die stehend dargestellten Könige abgestimmt, wurde auch sie als stehende Madonna gestaltet (in vielen anderen Königsanbetungen hingegen thront Maria). So erstreckte sich die Darstellung der Königsanbetung von Süden nach Norden quer über die ganze Turmfassade. 

Die Figuren standen auf Konsolen und wurden von Baldachinen bekrönt. Die Konsolen tragen die Namen der Könige und jeweils die Datierung 1515 (stark verwittert). Heute befinden sich an Stelle der Figuren Kopien. Die Originale weisen starke Zerstörungen auf: Das Jesuskind auf dem Arm der Maria ist überhaupt nicht mehr vorhanden.

Luisa Aderhold und Christian Scholl