Baubefunde an Chorumgang und Kapellenkranz

Die Außenmauern des Kapellenkranzes gehören zur ersten gotischen Bauphase nach 1389. Sie konnten um den romanischen Vorgängerbau herum errichtet werden, ohne diesen zu berühren. Charakteristisch für diese Bauphase sind schlichte, ungegliederte Wände im Kontrast mit filigranen, reich ausgestalteten Elementen – wie der inneren Skulpturennische im südwestlichen Bereich des Chorumgangs.

Für die innenstehenden Pfeiler des Chorpolygons mussten dann erste Teile des Vorgängerbaus abgerissen werden. Da sie (etwa in ihrer Sockelbildung) von den Außenmauern des Kapellenkranzes abweichen, darf man von einer zweiten Bauphase sprechen. Die Pfeiler wirken weniger durchdacht: Sie folgen dem Schema eines kantonierten Pfeilers (vgl. Kathedrale von Chartres: Rundpfeiler mit vier Diensten), die für dieser Stelle wenig geeignet scheint. So fehlen im unteren Bereich Dienste, welche die Diagonalrippen des Chorumgangs vorbereiten – sie werden erst im oberen Bereich mittels Konsolen hinzugefügt. Andere Dienste, welche die Arkaden des Chorpolygons rahmen, erscheinen hingegen überflüssig – sie finden in den Spitzbögen keine Fortsetzung. Insgesamt erscheinen die Gewölbe des Chorumgangs zu flach.

Wie bereits Ernst Witt dargelegt hat, wurden auch für die Dachformen des Kapellenkranzes verschiedene Varianten erprobt und teilweise wieder verworfen (Witt 1967, S. 30-32). Die Spuren dieser Planänderungen kann man bis heute vom Dachboden des Chorumgangsdachs aus erkennen.

Christian Scholl

Zurück