Das Hauptbild des Epitaphs Arneken ist ein charakteristisches Beispiel für die Malerei des Manierismus. In dieser Stilphase zwischen Renaissance und Barock gab es eine ausgeprägte Faszination am kunstvoll Verfeinerten, Ungewöhnlichen und Ausgefallenen. Charakteristisch sind die gelängten Figuren mit ihren geschraubten Bewegungen („figura serpentinata“), aber auch eine erlesene Farbigkeit, die beispielsweise Violett, Türkis und Schwefelgelb kombiniert.
Das Gemälde „Auferstehung Christi“ wird stilkritisch Johannes Hopffe zugeschrieben, der 1590 das Hildesheimer Bürgerrecht erwarb und 1615 in dieser Stadt starb. Er hat für die verschiedenen Konfessionen gearbeitet: In seiner Werkstatt entstanden unter anderem das Wrisberg-Epitaph für den katholischen Hildesheimer Dom (heute im Dommuseum) sowie – im Auftrag des reformierten Grafen Simon VI. zur Lippe – ein Abrahamszyklus für Schloss Brake.
Hildesheim war damals ein regionales Zentrum des Manierismus. Künstler wie Hopffe oder die Bildhauerfamilie Wolf schufen nicht nur Werke für die Stadt, sondern belieferten auch die Höfe der Umgebung und wirkten beispielsweise am Ausbau von Bückeburg als Residenz von Graf Ernst zu Schaumburg mit. Dies erklärt die qualitätvolle Ausführung des Epitaphs Arneken.
Auch dessen hölzerner Rahmen zeigte charakteristische Formen des Manierismus (u.a. reiches Roll- und Beschlagwerk und Säulen, die vor Rundbogennischen gestellt waren). Solche Elemente wurden damals – vor allem von Antwerpen aus – mittels druckgraphischer Vorlagen über ganz Europa verbreitet.
Christian Scholl