Die letzte große Renovierung von St. Andreas vor der Kriegszerstörung fand ab 1913 statt und wurde während des 1. Weltkriegs fortgesetzt. Verantwortlich war Karl Börgemann (1851-1938), ein Schüler des einflussreichen, in Hannover wirkenden Architekten, Denkmalpflegers und Hochschullehrers Conrad Wilhelm Hase. Bei der Restaurierung ab 1913 wirkten drei Aspekte zusammen:
1. das von Conrad Wilhelm Hase und seiner „Hannoverschen Schule“ verfochtene, an einem idealisierten Mittelalter-Bild ausgerichtete Ziel der Handwerklichkeit und Materialgerechtigkeit („Putz ist Lüge“)
2. eine neue Wertschätzung für die Kunst des Barock
3. ein seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wachsender, durch den 1. Weltkrieg noch gesteigerter pro-preußischer Nationalismus.
Im Sinne der „Hannoverschen Schule“ seines Lehrers Hase ließ Börgemann den Wandputz entfernen und gestaltete das Innere von St. Andreas steinsichtig – eine Raumveränderung, an die Ernst Witt später beim Nachkriegswiederaufbau anknüpfen sollte. Nachdem man 1819-25 die Fenster erneuert und im Geist der Aufklärung hell gestaltet hatte, wurden nun Buntglasfenster eingesetzt. Zum Teil kamen diese von der bedeutenden Firma Franz Lauterbach in Hannover. Die Abdunklung des Raumes entsprach der Ästhetik von Sakralräumen um 1900.
Die frühneuzeitlichen Ausstattungsstücke erhielten neue Aufmerksamkeit. Man entfernte die weißen und grauen Anstriche des 19. Jahrhunderts an Kanzel und Altar und legte deren ursprüngliche Farbigkeit frei. Die barocken Deckenbilder wurden restauriert und farblich abgedämpft, weil man sie als zu grell empfand. Generell erfuhr die Decke eine Neugestaltung: Ein korbbogiger Unterzug, der 1719/20 (aus statischen Gründen) angelegt worden war und das Polygon abtrennte, wurde entfernt. Die neu entstandenen Freiflächen besetzte man mit neubarocken Stuckornamenten.