Die Architektur der Nordvorhalle

Am nordöstlichen Strebepfeiler der Nordvorhalle begann, wie eine Bauinschrift bezeugt, im Jahr 1389 der gotische Neubau von St. Andreas. Die Nordvorhalle selbst wurde aber erst in einer zweiten Bauphase errichtet, die sich durch eine deutliche Baunaht vom nordöstlichen Strebepfeiler absetzt. Hier kam eine reichere Formensprache mit Kriechblumenbesatz an den Bögen zur Anwendung, die typisch für die zweite Bauphase ist. 

Auffallend ist, dass sich die Vorhalle mit zwei Bögen zum Vorplatz hin öffnet, aber nur ein Portal ins Kircheninnere aufweist. Daraus ergibt sich eine Überschneidung des Innenportals sowie ein relativ kompliziertes Gewölbe mit einer Tonne, die von zwei Kreuzgewölben besetzt wird, die seitlich spitzbogige Stichkappen ausbilden. Diese Kompliziertheit scheint hier bewusst im Sinne einer architektonischen Steigerung eingesetzt worden zu sein. Sie steht letztlich in der Tradition des Prager Veitsdoms.

Aus der Vorhalle führt eine Wendeltreppe direkt von außen auf die Empore über der Vorhalle, die in den Quellen als „Kapchor“ bezeichnet wird. Das spätgotische Portal in der Vorhalle trägt das Wappen der Stadt Hildesheim und erinnert mit einer lateinischen Inschrift an die Einführung der Reformation an S. Andreas:

„Anno · d(omi)ni · 1542 · senatus populusq(ue) hilde(n)seme(n)sis Sÿncerum Christi evangelium amplexi sunt“

In der Übersetzung von Christine Wulf:

„Im Jahr des Herrn 1542 haben Rat und Bevölkerung von Hildesheim das reine Evangelium Christi freudig angenommen“.

Ernst Witt nahm an, dass dieser Aufgang erst 1542 (bzw. kurz danach) errichtet wurde (Witt 1967, S. 36). Wahrscheinlicher ist, dass er bereits vorher bestand und im Gedenken an die Reformation lediglich eine Neugestaltung erfuhr (Härtel 2004, S. 156).

Christian Scholl