Schon 1561 plante man, eine größere Orgel in St. Andreas zu errichten. Hierfür erwarb man 1568 ein altes Orgelwerk aus der Ratskirche Unser Lieben Frauen in Bremen. Die Arbeiten wurden von Michel und Cornelius Schlegel aus Zwolle durchgeführt. Sie errichteten die Orgel auf einer Empore über dem Portal der Nordvorhalle, so dass die Öffnungen des „Kapchor“ zum Kircheninneren verdeckt wurden. Die Balganlage dieser Orgel fand unter dem Dach des nördlichen Seitenschiffs Platz.
Die Disposition dieser Orgel ist überliefert:
1. Principal 8 Fuß im Prospekt
2. Quintadena 16 Fuß
3. Octave 4 Fuß
4. Quinta 3 Fuß
5. Octave 2 Fuß
6. Mixtur
7. Trompete 8 Fuß
Calcant (Palandt 1975, S. 35)
Auf Initiative des Organisten und Orgelbauers Severinus Krossen wurde 1573 die kleine Orgel, die sich bis dahin in bzw. an der Empore des romanischen Westbaus von St. Andreas befunden hatte, abgebaut und der Orgel im Nordseitenschiff von 1568 als Rückpositiv hinzugefügt. Auf diesem Umbau bezieht sich auch die Nachricht von Henni Arneken, dass man 1573 „de orgelen gebessert“ habe (Arneke 1912, S. 177). 1575 wurde diese Orgel um zwei Register erweitert. 1619 schuf der Bildschnitzer Henni Ossenkopff neue „Beigänge“ (seitliche Durchgänge). Im 30jährigen Krieg litt das Instrument erheblich und wurde 1659-61 vom Magdeburger Orgelbaumeister Heinrich Herbst gründlich überholt. Unterdessen errichtete man 1656-68 in St. Andreas eine wesentlich größere Orgel auf einer neuen Westempore. 1682 wurde daher die Orgel aus dem Nordseitenschiff an die Stiftskirche St. Mauritius auf dem Moritzberg verkauft, wo sich Teile des alten Prospekts, u.a. die „Beigänge“, offenbar bis heute erhalten haben.
Christian Scholl