Als „Hirsauer Nasen“ bezeichnet man eine charakteristische Form der Eckausbildung an romanischen Würfelkapitellen. Dabei bleiben die Ecken des Kapitells leicht vorspringend und plastisch betont stehen, während die Flächen zwischen den Ecken flach oder gekehlt ausgearbeitet sind. Diese Form entstand durch das Abschrägen der Kapitellecken und lässt an eine stilisierte Nase denken. Daher der Name.
Ihren Ursprung haben die Hirsauer Nasen im 11. Jahrhundert im Reformkloster Hirsau im Schwarzwald. Von dort verbreitete sich das Motiv durch die Hirsauer Reformbewegung in viele Regionen Mitteleuropas. Kapitelle mit Hirsauer Nasen sind typische Elemente der Hochromanik (ca. 1080–1150).
Inwieweit Kapitelle mit „Hirsauer Nasen“ als eine Art Erkennungsmerkmal von Bauten der Kirchenreform gedeutet werden können, ist in der Forschung umstritten. Auffallend ist jedoch, dass sie in Hildesheim ausgerechnet an der romanischen Benediktinerklosterkirche St. Godehard auftauchen (Grundsteinlegung: 1133). Der 1131 heiliggesprochene Bischof Godehard von Hildesheim stand der Kirchenreform nahe. Außerdem war er St. Andreas verbunden: Hier betete er und hier wurde 1038 sein Leichnam aufgebahrt. Es ist nicht undenkbar, dass die Kapitelle mit „Hirsauer Nasen“ einen bewussten Bezug auf St. Godehard darstellen.
Anna Lena Heitefuß