Romanik

Im Inneren der gotischen Basilika von St. Andreas, von außen nicht sichtbar, haben sich umfangreiche Reste des romanischen Vorgängerbaus erhalten. Wenn Sie nach Osten schauen, so erblicken Sie die ehemalige Westfassade der Basilika, die im Zuge der weiteren Baugeschichte komplett umbaut wurde.

Im unteren Bereich dieser Westfassade sieht man mittig einen Durchgang aus drei Rundbögen, die durch einen Überfangbogen zusammengefasst werden. Die äußeren Rundbögen sind etwas schmaler und münden auf den Kapitellen von zwei Säulen. Dabei handelt es sich um typisch romanische Würfelkapitelle. Ein spannendes Detail sind die sogenannten Hirsauer Nasen, die eine Datierung um die Mitte des 12. Jahrhunderts zulassen. Hinter der Dreibogengruppe liegt eine tonnengewölbte romanische Vorhalle mit dem ursprünglichen Westportal.

Die Vorhalle wird zu beiden Seiten von quadratischen Turmunterbauten eingefasst, in denen sich Wendeltreppen befanden. Die südliche Wendeltreppe ist nach 1913 als Aufgang zur Orgelempore rekonstruiert worden.

Über der Vorhalle mit ihrer Dreibogengruppe sitzt ein Rundbogenfenster. Heinz Meyer-Bruck und Hans Wille rekonstruieren anhand von älteren Befunden und Bauaufnahmen (v.a. von Adolf Zeller) östlich dahinter eine Westempore.

Im oberen Bereich der romanischen Westfassade erkennt man schließlich zwei Dreiergruppen von Rundbögen. Hierbei handelt sich vermutlich um die ursprünglichen Schallarkaden, die dazu da waren, den Schall der dahinter aufgehängten Glocken in die Stadt zu tragen.

Wie der obere Abschluss des romanischen Westbaus ursprünglich aussah, ist unklar. Hans Wille geht in seiner Rekonstruktionszeichnung davon aus, dass die Kirche ursprünglich zwei einfache Türme besaß und später aufgestockt wurde. Dabei habe man den Mittelteil, ähnlich wie beim Hildesheimer Dom, erhöht und mit einem Quersatteldach gedeckt. Möglich ist aber auch, dass der Turm von vornherein einen Abschluss zeigte, der dem Hildesheimer Dom folgte. 

Anna Lena Heitefuß

Literatur

  • Adolf Zeller: Die romanischen Baudenkmäler von Hildesheim unter besonderer Berücksichtigung des einheimischen Kunstgewerbes, Hildesheim 1907.
  • Maren Christine Härtel: Die spätgotische Pfarr- und Stiftskirche St. Andreas in Hildesheim. Planen und Bauen nach französischem Kathedralschema (= Quellen und Studien zur Geschichte des Bistums Hildesheim, Bd. 8), Hannover 2004.
  • Hans Wille: Die romanische Pfarrkirche St. Andreas in Hildesheim, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 2, 1962, S. 45–84.