Vorgängerbau

Die Geschichte der Hildesheimer Andreaskirche lässt sich bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen. Die „Vita posterior Godehardi episcopi“ berichtet, dass Bischof Godehard von Hildesheim (1131 heiliggesprochen) in St. Andreas gebetet habe und dass sein Leichnam hier 1038 aufgebahrt wurde. Über das Aussehen der ersten Andreaskirche ist nichts bekannt.

Dahingegen gibt es zahlreiche Befunde zu einem später, vermutlich im 12. Jahrhundert, errichteten romanischen Vorgängerbau. Hierzu gehören vor allem der Westbau, der in seiner heutigen Substanz allerdings nach 1955 weitgehend neu errichtet wurde. Weitere Hinweise auf Vorgängerbauten fanden sich 1912 bei Arbeiten zur Anlage einer Heizungskammer. 

1945 bis 1950 führte der Kunsthistoriker Hans Wille systematische Grabungen unter der im Zweiten Weltkrieg zerstörten gotischen Kirche durch. Auf Grundlage der freigelegten Mauerreste konnte der romanische Grundriss der ursprünglichen Kirche rekonstruiert werden. Die gotische Kirche, die wir heute sehen, wurde zunächst um die bestehende romanische Bausubstanz herum errichtet. Diese Vorgehensweise ermöglichte es, die Kirche auch während des Neubaus weiterhin zu nutzen.

Auf Basis seiner Grabungsergebnisse, des erhaltenen Mauerwerks, typischer Bauformen der Romanik sowie stilistischer Vergleiche mit regionalen Kirchen entwickelte Hans Wille eine Rekonstruktionszeichnung. Diese ermöglicht es, sich die romanische Andreaskirche in ihrer ursprünglichen Gestalt vorzustellen, bevor sie im gotischen Neubau aufging. Einzelne Elemente – vor allem die Turmabschlüsse – bleiben jedoch hypothetisch. 

Anna Lena Heitefuß