Baubefunde im Segenshaus

Im Segenshaus treffen zwei Bauphasen des ab 1389 errichteten gotischen Neubaus aufeinander. Zur ersten Bauphase gehört die Ostwand. Nischen mit Konsolen und Baldachinen zeigen, dass hier einmal Skulpturen aufgestellt werden sollten – vielleicht sechs der 12 Apostel? Denn auf der gegenüberliegenden Seite waren sicher auch Nischen geplant, die dann aber nicht ausgeführt wurden. Stilistisch stehen die Nischen dem Südportal des Prager Veitsdoms nahe.

Weitere Spuren (u.a. Konsolen und Gewölbeansätze) an der Ostwand belegen, dass der gesamte Raum ursprünglich viel aufwändiger geplant war: als dreischiffige, zweijochige Vorhalle mit Rippengewölbe. Man kann sich den Raum ähnlich wie die Vorhalle des Nordparadieses am Hildesheimer Dom vorstellen. Im Zuge eines Planwechsels wurde dieses Vorhaben aufgegeben und auch die Figurennischen an der Westwand nicht gespiegelt.

Christian Scholl