Segenshaus

Das sogenannte Segenshaus bildet den südlichen Eingang in die Andreaskirche. Woher der Name kommt, ist unklar. Im 19. Jahrhundert vermutete man, dass hier Wöchnerinnen oder auch neugeborene Kinder gesegnet wurden. 

Im Mittelalter diente das Segenshaus wohl vor allem als Zugang für die Stiftsherren des Andreasstiftes (Härtel 2004, S. 168). Baubefunde zeigen, dass hier ursprünglich eine sehr viel aufwändigere Architektur mit Skulpturen geplant war.

Später wurde das Segenshaus immer wieder umgebaut. Der Fußboden diente für Bestattungen. 1732 unterteilte man das Obergeschoss in zwei Stockwerke. Hier zogen Bücher der wachsenden Andreas-Bibliothek ein, die seit dem 16. Jahrhundert vor allem im benachbarten Obergeschoss der Sakristei untergebracht war. 1732 erhielt auch das Außenportal eine neue barocke Einfassung. Das Wappen am Türsturz zeigt den Apostel Andreas.

1890 stellte man über dem Außenportal eine Statue des segnenden Christus auf – ein Werk (und Geschenk!) des bedeutenden Hildesheimer Künstlers und Kunstunternehmers Friedrich Küsthardt (1830-1900).

1916 wurde im Zuge einer umfassenden Renovierung die Stockwerksunterteilung des Obergeschosses rückgängig gemacht. Damals entstand außen das große Maßwerkfenster, das auch nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs wiederhergestellt wurde.

Im Segenshaus befindet sich an der Westseite seit langem ein steinerner Türsturz von 1543, dessen ursprüngliche Bestimmung nicht geklärt ist.

Christian Scholl

Literatur

  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 343 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0034307.
  • Maren Christine Härtel: Die spätgotische Pfarr- und Stiftskirche St. Andreas in Hildesheim. Planen und Bauen nach französischem Kathedralschema (= Quellen und Studien zur Geschichte des Bistums Hildesheim, Bd. 8), Hannover 2004.
  • Ernst Witt: Die baugeschichtliche Entwicklung der St.-Andreas-Kirche zur Zeit der Gotik, in: Alt-Hildesheim 38, 1967, S. 27-36.
  • Luise Zeppenfeld: Unsere Kirchen, Hildesheim 1925.