Aufbau

Der Fuß des Taufbeckens wird durch vier Figuren getragen. Sie knüpfen an die Bildtradition der vier Paradiesflüsse am Domtaufbecken an, erscheinen in St. Andreas allerdings als Kleinkinder (Putti). Wechselweise gießen sie – wie Paradiesflüsse – Wasser aus Amphoren oder (Tauf-)Wasser aus Kannen in Becken. Diese Abweichung vom Domtaufbecken lässt sich stilgeschichtlich deuten (mit der Renaissance zieht der Putto in die sakrale Kunst ein), aber auch schon als erster Verweis auf die Kindstaufe.

Am Fuß des Taufbeckens verweisen die Evangelistensymbole (Matthäus als Engel, Markus als Löwe, Lukas als Stier und Johannes als Adler) auf die lutherische Überzeugung, dass das Evangelium die Basis der christlichen Heilslehre ist. Diese lutherische Programmatik wird durch Inschriftentafeln verstärkt, welche die reine, wahrhaftige Gotteslehre beschwören, die Gott der Gemeinde mit der Reformation wiedergegeben habe. 

Am Schaft folgen die Apostel als Hauptstütze der Kirche. 

Das Wirken der Apostel sowie weitere biblische Szenen und die Darstellung einer Kindstaufe sind auf Reliefdarstellungen am Becken und Deckel des Taufbeckens zu sehen. Die Kleeblattform der Reliefs am Deckel ist erneut ein Bezug auf das Domtaufbecken.

Über all dem thront die Trinität: Gottvater steht auf eine Kreuzeskugel, dem Sinnbild seiner Weltherrschaft. Er ist als jüdischer Hohepriester mit der längsgerichteten Mitra gekleidet und hält in der ikonographischen Tradition des „Gnadenstuhls“ seinen toten Sohn Jesus Christus in den Armen. Die ursprünglich darüber angebrachte Heilig-Geist-Taube ist verlorengegangen.

Zu Füssen Gottvaters sind Drachenfigürchen angebracht, die vor der Trinität zu fliehen scheinen. Sie symbolisieren das Teuflische und verweisen darauf, dass die Taufe auch einen Exorzismus, eine Austreibung des Bösen, bedeutet. Der Deckel trägt zwischen den Reliefs ein Schuppenmuster als Verweis auf das Taufwasser und zeigt Fischwesen mit geflügelten Engelsköpfchen – Bilder für die Transformation, die sich im Taufakt vollzieht? 

Klara Ehbrecht und Christian Scholl

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