Taufbecken

Das Taufbecken ist eine in Messing gegossene Arbeit aus dem Jahr 1547. Es hat die Form eines Kelches und stammt, wie eine Inschrift am Nodus des Schaftes belegt, vom Braunschweiger Gießer Hans Sievers („Hans Sivvercz“). 

Innerhalb der protestantischen Taufgeräte im norddeutschen Raum kommt dem Andreas-Taufbecken eine Schlüsselrolle zu. Der gesamte Aufbau mit seinen Bildern und Inschriften macht es zu einem Programmwerk der gerade erst in Hildesheim eingeführten Reformation in Hildesheim. Eine besondere Bedeutung kommt der Motivauswahl der Reliefs zu. Dabei liegt ein Schwerpunkt – in Abgrenzung zur zeitgenössischen Täuferbewegung, die nur die Erwachsenentaufe gelten ließ – auf der Rechtfertigung der Kindstaufe.

Eventuell gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Taufbecken und dem Türsturz von 1543, der heute im Segenshaus angebracht ist. Beide Objekte verbindet, dass ihr ursprünglicher Aufstellungs- bzw. Anbringungsort unbekannt ist.

Gestalterisch nimmt das Andreas-Taufbecken den Dialog mit dem bedeutenden spätromanischen Taufbecken des Hildesheimer Doms auf, das allerdings Maria ins Zentrum rückt. Gleichzeitig wurde das Andreas-Taufbecken zum Prototyp für eine ganze Reihe weiterer Taufbecken in Hildesheim und darüber hinaus.

Klara Ehbrecht und Christian Scholl

Literatur

  • Konrad Algermissen: Das romanische Taufbecken des Hildesheimer Domes, Hildesheim 1958.
  • Gisela Bähren-Aye: Taufbecken in Niedersachsen aus der Zeit vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Hamburg 2005.
  • Michael Brandt: Das Inventar der Kirche zum Heiligen Kreuz in Hildesheim, in: Jürgen Asch, Michael Brandt, Ute Römer-Johannsen, Jochen Zink (Hg.): Die Kirche zum Heiligen Kreuz in Hildesheim (= Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Zeitschrift des Vereins für Heimatkunde im Bistum Hildesheim, 46/47, 1978/79), Hildesheim 1980, S. 137-223.
  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 339 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0033900.
  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 343 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0034307.
  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 358 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0035808.
  • Fritz Garbe: Die Hauptpfarrkirche St. Andreas im Wandel der Zeiten, Hildesheim 1965.
  • Glaube sucht Ordnung – Hildesheim wird evangelisch. Anmerkungen zu Bugenhagens Kirchenordnung (= Veröffentlichungen des Hildesheimer Heimat- und Geschichtsvereins e. V., Bd. 5), Hildesheim 2017. 
  • Claudia Höhl: Das Taufbecken des Wilbernus (= Schätze aus dem Dom zu Hildesheim, Bd. 2), Regensburg 2009.
  • Ulrike Mathies: Die protestantischen Taufbecken Niedersachsens. Von der Reformation bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, Regensburg 1998.
  • Barbara Meyer-Wilkens: Wie die Stadt Hildesheim evangelisch wurde, in: Glaube sucht Ordnung – Hildesheim wird evangelisch. Anmerkungen zu Bugenhagens Kirchenordnung (= Veröffentlichungen des Hildesheimer Heimat- und Geschichtsvereins e. V., Bd. 5), Hildesheim 2017, S. 20-29.
  • Bertram Schulin: Taufbecken in Deutschland. Form und Ikonographie, Heidelberg 2022.
  • Ernst Witt: Die baugeschichtliche Entwicklung der St.-Andreas-Kirche zur Zeit der Gotik, in: Alt-Hildesheim 38, 1967, S. 27-36.