Im Umfeld der Reformation entwickelte sich die radikalere Bewegung der Täufer, welche die Praxis der Kindstaufe als nicht biblisch ablehnte und für eine Erwachsenentaufe eintrat. Nicht nur altgläubige Katholiken, sondern auch Martin Luther und seine Anhänger richteten sich vehement gegen diese Strömung, die sich in den frühen 1530er Jahren in Münster sogar ein eigenes Reich aufbaute. 1535 wurde das Täuferreich niedergeschlagen, seine Anführer 1536 hingerichtet und deren Leichen zur Schau gestellt. Als das Andreas-Taufbecken entstand, waren diese Ereignisse sicher noch sehr präsent.
Als programmatisches Werk der Reformation wandte sich das Andreas-Taufbecken wohl viel weniger gegen den Katholizismus (das Bildprogramm konnte sogar ohne Abstriche für das Taufbecken der katholischen Stiftskirche Heilig-Kreuz in Hildesheim übernommen werden) als vielmehr gegen die Täufer. Daher wird die Kindstaufe im Bildprogramm immer wieder als bibelgemäß herausgestellt.
Christian Scholl