1501 beschloss der Hildesheimer Rat den gotischen Turmbau. Zur Grundsteinlegung am 31. Juli 1503 gibt es mehrere zeitgenössische Quellen. So berichtet Henning Brandis in seinem Diarium: „Mandages am avende vincula Petri was rochtich, dat men dar den ersten stein tom torne leggen wolde unde scholde. Dar stund de Augustiner unde predikede, unde de papheit van sunte Andrease gingen darby mit dem hilligen sacramente. Dar stunt ein becken, dar de lude inne opperden, gingk herliken to.“ (Haenselmann 1896, S. 171). Bei der Zeremonie, die am Abend des Festtages „Petri Kettenfeier“ stattfand, gab es also eine Predigt, während die Geistlichen von St. Andreas die geweihte Hostie präsentierten und ein Becken bereitstand, in das die Anwesenden spenden konnten. Der Chronist Johan Oldecop nennt darüber hinaus sogar den Namen des Baumeisters: „De mester und steinhauwer het Arnt Molderan.“ (Euling 1891, S. 22). Arend Molderam war auch am Bau der Stiftskirche St. Alexandri in Einbeck beteiligt (Härtel 2004, S. 203).
Der Riss von Molderam, der bei der Grundsteinlegung gezeigt worden sein soll (Lüntzel 1858, S. 619), scheint sich über mehrere Jahrhunderte hinweg erhalten zu haben. Als originales Abbild galt ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, das allerdings verloren gegangen ist. Das Titelblatt eines Vortrags von Hermann Cuno zur Turmvollendung scheint diesen Entwurf in der Mitte zu zeigen, dessen Umsetzung im 19. Jahrhundert allerdings weder möglich noch erstrebenswert erschien (Härtel 2004, S. 263f.).
Laura Reich und Christian Scholl