Bis zur Wiederherstellung ihrer kriegszerstörten Kirche nutzte die Andreasgemeinde zunächst die katholische Elisabethkirche und dann die Jakobikirche. In St. Jakobi feierte sie am Samstag, dem 28. August 1965 abends einen letzten Gottesdienst und zog dann in einer Prozession zur Schlüsselübergabe zur Andreaskirche. Am folgenden Sonntagmorgen fand in St. Andreas der Einweihungsgottesdienst statt. An den Feierlichkeiten nahmen auch Vertreter der anglikanischen Kirche teil: u.a. der Bischof von Fulham als Oberhaupt der anglikanischen Auslandsgemeinden (Hildesheim war britische Garnisonstadt) sowie Gäste von der St. Helen’s Parish Church in London mit ihrem Vikar Louis A. Bralant. Die St. Helen’s Church war zwischen 1940 und 1944 im Zuge deutscher Bombardierungen völlig zerstört worden, wie umgekehrt St. Andreas beim großen Bombenangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 unter Beteiligung der britischen Royal Air Force zur Ruine wurde.
Umso wichtiger war es, dass die Einweihung von St. Andreas unter dem Leitmotiv der Versöhnung stand und dass sich dieses Motiv nachhaltig auf das Raum- und Bildprogramm der wiederhergestellten Kirche auswirkte. Andreaspastor Walter Meyer-Roscher betont im Programm der Festwoche:
„So wollen unsere beiden Gemeinden [St. Helen’s in London und St. Andreas in Hildesheim] anläßlich der Einweihung von St. Andreas vor aller Welt deutlich machen, daß die Versöhnung Gottes mit den Menschen die Versöhnung untereinander nach sich ziehen soll und daß wir im Geiste dieser Versöhnung die Zukunft unserer Völker gestalten müssen.“
Christian Scholl