Von Ulrich Henn (1925-2014) stammen einige der bedeutendsten Ausstattungsstücke in St. Andreas aus der Wiederaufbauzeit: Das Westportal, die Abendmahlsgruppe, das Altarkreuz und das Lesepult. 1995 entwarf Henn für den Andreasplatz das als Brunnen gestaltete Bugenhagen-Denkmal.
Henn wurde in Schwäbisch-Hall geboren. In amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und knapp eineinhalb Jahre in einem Lager bei Neapel interniert, begann er zu schnitzen. Aus dem Holz von Munitionskiste entstand 1945 mit Hilfe eines Rasiermessers eine Krippe.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat machte Henn die Kunst zu seinem Beruf. Er erhielt eine Ausbildung beim Bildhauer Josef Zeitler in Stuttgart und arbeitete in der Folgezeit 1947/48 bei Josef Baur in Neuhausen auf den Fildern. Danach machte Henn sich selbständig. Er richtete in Stuttgart-Plieningen ein Atelier ein und arbeitete als Bildschnitzer – vornehmlich an Restaurierungen.
1958 machte es ein Arbeitsunfall (Henn durchschnitt sich die Strecksehne des linken Daumens) unmöglich, weiter als Bildschnitzer zu arbeiten. Henn verlegte sich auf das Modellieren in Wachs für das Anfertigen von Bronzearbeiten im Wachsausschmelzverfahren – eine Technik, die er sich bereits zuvor angeeignet hatte. Seit 1962 lebte und arbeitete er in Leudersdorf, einem Ortsteil von Üxheim in der Eifel.
Henn schuf ein umfangreiches Werk, das vor allem – aber nicht ausschließlich – für einen sakralen Kontext entstand. Hierzu gehören zahlreiche Bronzeportale (u.a. für die Kilianskirche in Heilbronn, die Tübinger Stiftskirche, die Stadtkirche in Pforzheim und die National Cathedral in Washington), aber etwa auch Altäre, Altarkreuze, Leuchter und freistehende Figuren. Hildesheim mit seiner eigenen langen Tradition der Bronzekunst war für Henn ein bedeutungsvoller Ort, für den er gleich mehrere Hauptwerke schuf.
Christian Scholl