Seit vielen Jahren freuen sich ornithologisch interessierte Hildesheimer*innen über die Anwesenheit spektakulärer Greifvögel im Stadtgebiet. Zum einen ist es der Uhu, der sich eigentlich den Hildesheimer Dom als Brutplatz ausgesucht hatte, in der Brutsaison 2022 jedoch ausnahmsweise auf die Lambertikirche ausgewichen war.
Zum zweiten sind es Wanderfalken, die sich seit fast 20 Jahren am Turm der Andreaskirche herumtreiben. Anders als die lateinische Artbezeichnung „peregrinus“ vermuten lässt, was soviel wie „Fremder“ oder „Herumtreiber“ bedeutet, scheint der Turm mit einer Höhe von 114,5 Metern eine geradezu magische Anziehungskraft auf die eleganten Flieger auszuüben, sodass sie regelmäßig in der Nähe der Andreaskirche bei ihren Jagdflügen beobachtet werden können.
Begeisterte Vogelschützer ließen im Winter 2006/2007 den Blicken durchs Fernglas Taten folgen: Dieter Goy und Alistair Hill vom Ornithologischen Verein Hildesheim (OVH) bauten in etwa 100 m Höhe einen Nistkasten in den Turm ein, der von den Falken bereits 2007 genutzt wurde, um eine Brut großzuziehen.
Seit 2007 brüten die Wanderfalken jedes Jahr in dem Nistkasten. Der große Zeitraum bis heute lässt vermuten, dass es sich bei den Altvögeln mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr um die Erstbezieher aus 2007 handelt, was zugleich als Beleg für die Attraktivität des Brutplatzes gedeutet werden kann.
Im Oktober 2012 wurde die Andreasgemeinde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) für ihr Engagement im Natur- und Artenschutz mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet.
Der Auszeichnung folgte die Installation einer Kamera, mit deren Hilfe das Treiben im Brutkasten auf einem Monitor im Erdgeschoss des Turms beobachtet werden konnte. Diese Möglichkeit wurde einige Jahre genutzt – nachweislich in den Jahren 2012, 2013 und 2014.