Buntglasfenster

Die Taufkapelle von St. Andreas birgt einen der bedeutendsten Glasmalerei-Zyklen der Nachkriegszeit in Niedersachsen. Die zwischen 1965 und 1970 entstandenen drei Fenster wurden vom hannoverschen Künstler Kurt Sohns entworfen, der zahlreiche Kirchenfenster geschaffen hat. 

Erste Entwürfe hatte 1965 Hans Gottfried von Stockhausen geliefert, auf den in St. Andreas die Fenster der Kranzkapellen zurückgehen. Doch dann entschied sich die Gemeinde – gegen den Willen des leitenden Architekten Ernst Witt – für Sohns. Die Ausführung erfolgte durch die renommierten Glaswerkstätten August Wagner (Berlin-Neukölln) und Dr. Heinrich Oidtmann (Linnich).

Das übergreifende theologische Konzept für das Bildprogramm wurde vor Ort vom Hildesheimer Andreaspastor Paul Hoeltje entwickelt.

Altarfenster (nach Westen aus gerichtet über dem Altar): Szenen aus dem Leben Jesu

Das nach Westen ausgerichtete Fenster zeigt zentrale Szenen aus dem Leben Jesu – von der Geburt bis zur Bergpredigt. Das Hauptbild zeigt die Geburt Jesu. Es breitet sich ovalförmig über die Fensterlanzetten aus und wirkt als Altarbild. Die Gestaltung betont das Licht als Ausdruck der Inkarnation. Die dominierende Farbe ist Rot. Blaue Hintergrundfelder, die von goldenen und weißen Strahlen durchbrochen werden, veranschaulichen die Präsenz Gottes.

Südwestfenster (an der Südwand neben dem Taufbecken): Stationen aus der Schöpfungsgeschichte und weitere alttestamentliche Szenen

Dieses Fenster zeigt den Weg der Menschheit von der Schöpfung bis zur Ankunft der Israeliten im verheißenen Land. Die alttestamentlichen Szenen folgen der Felderung des Fensters und entfalten sich „ochsenwendig“ von unten nach oben. Die dominierende Farbe ist Blau. 

Darstellungen wie die Arche Noah bei der Sintflut oder der Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer werden in der christlichen Ikonographie traditionell auf die Taufe bezogen und finden sich dementsprechend auch am Taufbecken von 1547. 

Portalfenster (an der Südwand über dem Außeneingang zur Kapelle): Szenen aus dem Leben Jesu und der Apostelgeschichte.

Dieses Fenster ergänzt die Fensterfolge mit Szenen aus der frühen Kirche. Es zeigt die Sendung der Jünger und die Ausbreitung des Evangeliums unter den Völkern. Passenderweise steht das Thema Mission über dem Ausgang der Kapelle. Jeweils eine Lanzette des Fensters ist den Jüngern Philippus und Petrus vorbehalten, Paulus sind zwei Lanzetten gewidmet. Erneut liegt ein Bezug zur Taufkapelle vor, indem vielen der dargestellten Geschichten in der Taufe der Bekehrten kulminieren. Die Taufe des Kämmerers und die Bekehrung des Hauptmanns Kornelius sind auch auf dem Taufbecken von 1547 dargestellt.

Die Szenen aus der Apostelgeschichte werden von Darstellungen aus dem Leben Jesu im oberen Bereich des Fensters (Couronnement) überfangen. Hier liegt ein Schwerpunkt auf der Passion, während das Altarfenster vor allem Kindheitsgeschichten Jesu zeigt.

Annika Storm

Literatur

  • Jörg-Michael Dehio: Kurt Sohns. Werkverzeichnis. Die Gemälde in Öl und Acryl sowie die Fenster nach seinen Entwürfen, Hannover 1992, S.11-37, 266-277.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Sohns (zuletzt aufgerufen 27. Juli 2025).