Die St.-Andreas-Kirche in Hildesheim bewahrt noch einige mittelalterliche Grabplatten. Im Mittelalter waren Kirchen nicht zuletzt Bestattungsorte. Sie waren von Kirchhöfen umgeben, die vor allem als Friedhöfe dienten. Am begehrtesten (und teuersten) waren Gräber im Kircheninneren, nahe bei den Altären und Reliquien, von denen man sich eine heilsspendende Wirkung für die Toten erhoffte. Die Grabplatten lagen auf dem Fußboden der Kirche. Erst nach Aufgabe der Gräber wurden einige von ihnen als „Denkmäler“ aufrechtstehend an den Wänden angebracht.
In die Westwand des südlichen Seitenschiffs, die als Trennwand zur Taufkapelle erst nach 1913 errichtet wurde, sind zwei Grabplatten eingelassen: die Grabplatte für Hans Wildefüer (links neben der Tür zur Taufkapelle) und die Grabplatte für Offenia, Mutter von Bruno Insanus (rechts neben der Tür zur Taufkapelle).
Heute erinnern solche Grabplatten an bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Zeit – darunter Ratsmitglieder, Priester, wohlhabende Bürger und fromme Stifter. Einige sind gut erhalten, andere nur noch in Teilen sichtbar oder stark beschädigt. Dennoch geben sie wichtige Einblicke in das religiöse Leben, die Kunst der Steinmetze und die soziale Stellung der Verstorbenen im mittelalterlichen Hildesheim.
Anushee Kurhe und Christian Scholl