Grabplatten im Südseitenschiff

Die St.-Andreas-Kirche in Hildesheim bewahrt noch einige mittelalterliche Grabplatten. Im Mittelalter waren Kirchen nicht zuletzt Bestattungsorte. Sie waren von Kirchhöfen umgeben, die vor allem als Friedhöfe dienten. Am begehrtesten (und teuersten) waren Gräber im Kircheninneren, nahe bei den Altären und Reliquien, von denen man sich eine heilsspendende Wirkung für die Toten erhoffte. Die Grabplatten lagen auf dem Fußboden der Kirche. Erst nach Aufgabe der Gräber wurden einige von ihnen als „Denkmäler“ aufrechtstehend an den Wänden angebracht.

In die Westwand des südlichen Seitenschiffs, die als Trennwand zur Taufkapelle erst nach 1913 errichtet wurde, sind zwei Grabplatten eingelassen: die Grabplatte für Hans Wildefüer (links neben der Tür zur Taufkapelle) und die Grabplatte für Offenia, Mutter von Bruno Insanus (rechts neben der Tür zur Taufkapelle).

Heute erinnern solche Grabplatten an bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Zeit – darunter Ratsmitglieder, Priester, wohlhabende Bürger und fromme Stifter. Einige sind gut erhalten, andere nur noch in Teilen sichtbar oder stark beschädigt. Dennoch geben sie wichtige Einblicke in das religiöse Leben, die Kunst der Steinmetze und die soziale Stellung der Verstorbenen im mittelalterlichen Hildesheim. 

Anushee Kurhe und Christian Scholl

Literatur

  • Friedrich Arneke: Die Aufzeichnungen des Hildesheimer Bürgermeisters Henni Arneken aus den Jahren 1564 bis 1601, in: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 1912, S. 165-225.
  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 76 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0007601.
  • DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 666 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0066605.
  • Maren Christine Härtel: Die spätgotische Pfarr- und Stiftskirche St. Andreas in Hildesheim. Planen und Bauen nach französischem Kathedralschema (= Quellen und Studien zur Geschichte des Bistums Hildesheim, Bd. 8), Hannover 2004.
  • Joachim Barward Lauenstein: Historia Dipolomatica Episcopatus Hildesiensis. Das ist: Diplomatische Historie des Bisthums Hildesheim, Darinnen Der Civil- Militair- und Kirchen-Staat sowol der Niedersächsischen freyen Crayß-Stadt Hildesheim, als auch dieses gantzen Bisthums, umständlich abgehandelt [...], Hildesheim 1740.