Im Mittelalter diente St. Andreas – wie viele größere Kirchen – nicht nur als Gottesdienstraum für eine Gemeinde. An zahlreichen Stellen im Kirchenraum standen Nebenaltäre, die sich Stiftungen verdankten. Ziel dieser Stiftungen war es, dass Priester zu festgelegten Zeiten für das Seelenheil bestimmter Personen an diesen Nebenaltären Messen zelebrierten. Bezahlt wurde also nicht allein die Einrichtung und Ausstattung eines Altars (Altar, evtl. ein Altarretabel, liturgische Gewänder, Kerzen, usw.), sondern vor allem eine Priesterstelle, die idealerweise bis zum Jüngsten Gericht bestand.
Eine Gemeinde musste bei den Seelmessen nicht anwesend sein – man bezeichnet diese Praxis daher auch als „Privatmesse“. Martin Luther sprach abwertend von „Winkelmessen“.
Die genaue Zahl der Altäre, die im Verlauf des Spätmittelalters in der Andreaskirche errichtet wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Maren Christine Härtel kommt in ihrer Zählung auf 27. Noch weniger geklärt ist deren genauer Standort im Kirchenraum. Zu rechnen ist mit Altären in den Kranzkapellen, aber auch westlich vor den Wandpfeilern der Seitenschiffe und den Arkadenpfeilern des Langhauses. Etliche Altäre sind auch im Umfeld des Westbaus überliefert.
Seit 1201 diente St. Andreas als Stiftskirche. Hier wirkten 12 Stiftsherren (Kanoniker), die sich um seelsorgerliche Belange der Stadtbevölkerung kümmerten und sicher auch regelmäßig an einigen Nebenaltären Messen zelebrierten. Für die Nebenaltäre aber waren vor allem die sogenannten Pieler-Priester zuständig.
Christian Scholl